

Auf der Oberst-Klinke-Hütte, am Fuße des Admonter Kaiblings im Gesäuse fand ein Einsatztaining der Bergrettung Steiermark mit dem “Einbohr”-Spezialisten Gerhard Schaar von bolting.eu zum Thema „Bohrhaken“ statt.Workshop zur Vertiefung unseres Wissensstandes
Bei unseren Einsätzen im unwegsamen und alpinen Gelände müssen immer wieder rasch Verankerungen bzw. Kettenstände mit Bohrhaken gesetzt werden. Daher wollte das Ausbildungsteam der Bergrettung Steiermark bei einer Fortbildung tiefergehend in diese Thematik eintauchen. Ziel war die Verbesserung des theoretischen und praktischen Wissens um unsere Einsätze noch sicherer und effizienter zu machen.
Dabei haben wir uns für Gerhard Schaar von der Fa. bolting.eu aus Innsbruck entschieden. Denn Gerhard bringt zwei entscheidende Qualifikationen mit sich. Zum einen ist er einer der erfahrensten Erschließer und Sanierer von Kletterrouten im Alpenraum. Und zum anderen hat er nachweislich bereits dutzende Workshops mit alpinen Institutionen abgehalten.

Theorieteil – Zusammenhänge verstehen
Der eintägige Workshop startete mit einem Theorieteil in der Hütte. Dabei zeigte sich sogleich die Qualität des Workshops. Denn wir bekamen ein einfaches aber effektives formelles „Einbohr Konzept“ präsentiert.
Dabei standen am Beginn die Zusammenhänge zwischen Gesteinsarten, Felsqualität, den physischen Eigenschaften des Untergrundes im Vordergrund. Im Folgenden wurden die daraus resultierenden Verankerungsarten Bohrhaken oder Klebehaken besprochen.
Für uns waren besonders die Bohrhaken interessant. Folglich wurden die physikalische Wirkungsweise dieses Systems (Umwandlung Anzugs-Drehmoment in Spreizkraft, Ausrisskegel), die feinen Unterschiede der jeweiligen Klassifizierungen (gerissener – ungerissener Beton) sowie die galvanische Korrosion besprochen.
Gänzlich neu für viele Teilnehmer war dann das Thema der richtigen SDS plus Bohrer. Oder wusstet ihr, dass Bohrhaken exakt runde Löcher brauchen und nicht jeder Bohrer gleich ist?

Praxisteil im alpinen Gelände
Am Nachmittag ging es dann hinauf zum Fuß des Admonter Kaibling. Dort wurde der Praxisteil abgehalten. Hier wurden beim Hakensetzen im Kalkgestein die theoretischen Inhalte und Zusammenhänge super sichtbar. Wie typische Setzfehler. Z.B. das Verletzen des Prinzips des Ausrisskegels oder ein zu großer „Ausstand“ der Bohrhaken. Dabei hat uns sehr gut gefallen, wie Gerhard auf die praxisnahe Anforderungen eingegangen ist. Beispielsweise das schnelle Errichten von redundanten Standplätzen bei Rettungseinsätzen. Weiters haben wir wertvolle Praxistipps zur Ausrüstung und dem Einbohr Workflow von Gerhard erhalten. Beispielsweise die Verwendung von passenden Materialtaschen direkt am Klettergurt, Unterschiede bei den Felshämmern, usw….
Fazit
Der Einbohr Workshop mit bolting.eu hat allen Teilnehmern zwei ganz wichtige Dinge gezeigt. Erstens sind uns nun die Zusammenhänge beim Setzen von Bohrhaken bewusst. Das führt zur Vermeidung von kleinen Fehlern, die sich in Summe gefährlich auswirken können. Zweitens haben wir einen viel besseren Überblick zum Workflow bzw. der benötigten Ausrüstung. Somit können wir in den Ortsstellen darauf reagieren und unser Set Up verbessern. Und drittens ist es eine simple Erkenntnis. Es ist ein Unterschied einen Bohrhaken in einem Loch zu befestigen, oder einen Fixpunkt im Bewusstsein aller relevanten Details anzubringen. Zusammenfassend können wir feststellen, dass wir – beim Thema Bohrhaken setzen – eine deutlich bessere Wissens- und Handlungskompetenz entwickeln können.
